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Grüße aus Martinique
Ich zähle die Tage bis zum Ende der Urlaubszeit. Alle Freunde, Bekannten, Bediensteten und Dienstleistungserbringer sind in den Ferien. Was soll das? Gestern musste ich mich nach zwei Wochen sogar dazu herabgelassen, mir selbst ein Päckchen Zigaretten zu kaufen. Für gewöhnlich schnorre ich bei meinem Chauffeur Marc. Doch der ist noch bis Ende des Monats…
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Die Gottesanbeterin
Eine Gottesanbeterin sitzt – oder hängt oder steht oder klebt? – an der Wand des Eingangs zum Büro meiner Vermögensberaterin Chantal Krasowski. Ich habe Zeit, sie in Ruhe zu betrachten, denn Chantal ist wider Erwarten nicht da. Ihr Sekretär Hamid teilt mir über die Sprechanlage mit, sie sei noch beim „Prenatal Pilates“. Mit Ende vierzig will…
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Das Afrika-Zimmer
Der Tag ist durchwachsen. Wie ein Schweinenackensteak vom Discounter. Den Vormittag verbrachte ich mit der Arbeit an meinem neuen Roman Mandy und der Dandy. Er handelt von einem englischen Aristokraten der Regency-Zeit, der eines Morgens in einer Marzahner Plattenbauwohnung aufwacht und sich in eine ehemalige DDR-Leistungsturnerin mit bemerkenswert tiefer Stimme und eindrucksvollem Bartwuchs verliebt. Ich…
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Steiner for Prätendent
Zurück in Berlin. Während meiner Abwesenheit haben die Parteien heimlich Wahlplakate für die Bundeshauptstadtwahl im September aufgehängt. Meine Lieblingspartei, die „Partei für Verjüngungsforschung“, ist allerdings noch nicht dazu gekommen. Sie setzt sich dafür ein, den altersbedingten Tod zu besiegen und kommt damit gerade richtig. Bisher hatte ich für den Fall meines Ablebens die Gefriertrocknung meiner…
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Seerohrtiefe
Ich befinde mich auf Schleichfahrt. Über mir der zerwühlte Atlantik des Lebens, unter mir das bodenlose Dunkel der Zeitlosigkeit. Ich bin auf Seerohrtiefe, schaue in einen kreisrunden Ausschnitt, ein ständig variierendes Kaleidoskopbild aus spritzender Gischt, hektisch ineinander fließenden schwarzen Wogen und verquirlten grauen Wolken. Ich kann die Augen kaum offenhalten, die Lider senken sich immer…
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Piep, piep, piep
Und wieder einer. Diesmal in Berlin. Ein Mann, dessen Name es nicht wert ist, genannt zu werden. Tötete wahllos Menschen, die auf einem Volksfest feierten. Schrie angeblich, dass Allah der Größte sei. Den ganzen Tag musste ich daran denken. Dann, kurz vor dem Zapfenstreich, fiel mir etwas ein. Oder vielmehr jemand. Guildo Horn. „Piep, piep,…
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Tusculum
Ein Sommernachmittag. Die Sonne heizt, der Wind streicht forsch durch die Baumwipfel. Ein Junge fährt seit Stunden auf einem kleinen Elektromobil durch die Gartenanlage. Die Chilis und Tomaten stehen gut da, auch Kürbisse hat es schon. Aber bis zur Erntezeit ist es noch ein paar Wochen hin. Die Hecke ist getrimmt, es floss Schweiß, aber…
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Anderswo
Wo bleibt die zündendende Idee des Tages? Wenn sie sich schüchtern ankündigte, hat der heftige Mittagswolkenbruch sie vermutlich in die Kanalisation gespült. Dort macht sie sich mit all den anderen guten, bahnbrechenden oder sogar originellen Einfällen der aufgrund der Schulferiensaison spürbar dezimierten Berliner Stadtbevölkerung eine gute Zeit und lässt uns in gewohnter hirnloser Alltagsgeschäftigkeit wie…
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Willi Zwo lässt grüßen
Heute traf mich ein Blast from the Past. Vor langer Zeit wohnte ich in einem netten Stadtteil der ruhmreichen Hansestadt Hamburg bzw. der etwas weniger ruhmreichen, ehemals preußischen, später eingemeindeten Stadt Altona. Der Imbiss meines Vertrauens wurde seinerzeit von einem redseligen Original namens „Floppy“ betrieben. Der erzählte mir mal von der Sektsteuer. Die sei zu…
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Die Kakophonie des Ichs
Da sind diese Stimmen, die auf mich einprasseln. Die Tonlage ist verschieden, auch die Worte unterscheiden sich auf den ersten Hör. Doch am Ende sagen sie alle nur dasselbe: ICH. Mein Ex-Chef C.D. denkt wie immer laut. Er braucht andere als Resonanzraum, um den Gedankensalat zu ordnen, Ballast abzuwerfen, sich über dies und jenes klarer…