Tierfreunde aufgemerkt!

Zuerst die schlechte Nachricht: Laut WWF sind die weltweit erfassten Populationen wildlebender Wirbeltiere in den vergangenen gut 50 Jahren im Durchschnitt um 73 Prozent geschrumpft.

Der Tagesspiegel macht daraus die Schlagzeile „Tierbestände um 73 Prozent geschrumpft“. Das klingt noch bedenklicher, ist aber nicht dasselbe. Der WWF weist ausdrücklich darauf hin, dass keineswegs 73 Prozent aller Wildtiere verschwunden sind. Aber wer wird bei einer guten Schlagzeile schon kleinlich sein?

Nun die gute Nachricht: Deutschland macht bei diesem Trend nicht mit. So ist zum Beispiel die Wildschweinpopulation in Deutschland stark gewachsen. Nach Schätzungen streifen je nach Saison zwischen 1,4 und 2,2 Millionen Schwarzkittel durch den deutschen Wald.

Nicht nur durch den Wald, muss man hinzufügen. Immer häufiger dringen die eigentlich sehr scheuen Tiere auch in Bereiche vor, in denen sie aus menschlicher Sicht nichts zu suchen haben. Leider suchen sie trotzdem – vor allem nach Nahrung, vielleicht aber auch nach Abwechslung.

Wie heute berichtet wird, haben sie jüngst sogar den größten Friedhof Berlins in Spandau heimgesucht und dabei etliche Gräber geschändet. Unter anderem das der Eltern einer Spandauerin. Diese gibt zu Protokoll, dass sie ob der von den Wildschweinen angerichteten Verwüstungen „sehr aufgewühlt“ sei.

Apropos aufgewühlt: Bei meinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg ist mir immer wieder aufgefallen, dass die charakteristischen Wühlspuren der Wildschweine in Feld, Wald und Flur vollkommen frei vom Kot – weidmännisch „Losung“ – der Tiere sind. Ein ums andere Mal fragte ich mich: Warum?

Neulich legte ich die Frage meinem Bekannten Hubertus Pürsch vor, einem passionierten Jäger. Er erklärte mir, dass Wildschweine – und Schweine überhaupt – entgegen der landläufigen Meinung von Natur aus ausgesprochen reinliche Tiere seien und deshalb nur ungern dort ihr Geschäft verrichten, wo sie fressen. Ganz nach der bekannten englischen Redewendung: „You don’t shit where you eat.“ Das macht mir die intelligenten Wühler noch sympathischer.

Aber nicht nur die heimischen Wildschweine gedeihen prächtig. Auch exotischere Arten scheinen sich in Deutschland zunehmend pudelwohl zu fühlen. So wurde in der Nähe des Münchner Flughafens angeblich ein Puma gesichtet. Und in Braunschweig fand eine Passantin die Haut einer vier Meter langen Netzpython.

Das sind gute Aussichten. Ich freue mich schon auf die ersten Alligatoren im Spreewald.

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