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Imperium und Delirium II
Zeitsprung. 30 Jahre. Berlin 1994. Die russischen Truppen ziehen aus Deutschland ab. Jelzin soll dabei sein. Ein Bekannter steht damals in der Ehrenkompanie am Flughafen stramm. Wartet. Und wartet. Jelzin kommt nicht. Kameraden kippen um, werden durch andere ersetzt. Jelzin kommt noch immer nicht. Irgendwann torkelt er die Gangway herunter. Der Präsident des einstigen Imperiums…
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Der Fall Scurla und die Braunbücher
Der Lausitzer Herbert Scurla (1905–1981) war in der DDR ein viel gelesener Sachbuchautor. Er schrieb Biografien über Alexander und Wilhelm von Humboldt, Lessing, Ernst Moritz Arndt, Rahel Levy und die Gebrüder Grimm. Als Herausgeber der Reihe „Entdeckungen auf vier Kontinenten“ nahm er seine notorisch dem Fernweh verfallenen Landsleute mit in die große weite Welt, die…
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Gedanken zum TddE
„Tag der deutschen Einheit“: ein sperriger Name. Nicht ganz so sperrig wie „Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse“, wie man zum Beispiel den Maifeiertag in der DDR nannte, aber mittlerweile ebenso blutleer und staatstragend. Festakte, Reden, Politprominenz, offizielle Statements und ein dreitägiges Bürgerfest, diesmal in Schwerin. Laut Eigenwerbung soll es „bunt, vielfältig und unterhaltsam, informativ, diskursiv und…
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Wiederholte Geschichte
Es heißt immer Geschichte wiederhole sich nicht. Diesmal scheint sie es aber doch zu tun. Israel hat mit seinem Bombenkrieg im Libanon eine neue Flüchtlingsbewegung ins Leben gerufen. Einige werden sicherlich auch in Deutschland landen. Wie in den Achtzigerjahren, als im Gefolge des ersten Libanonkrieges viele Libanesen über den Ostberliner Flughafen Schönefeld den Weg nach…
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Ein angeblich gut aussehender Mörder
Wie die sehr gute App „Teletext“ (Sparte rbb) mitteilt, zeigt das Berliner Dokumentationszentrum „Topographie des Terrors“ (Der Name ist Programm: Es bildungsbürgerlicht doch sehr) ab Mittwoch eine Ausstellung über den NS-Funktionär Reinhard Heydrich (im Bild unten links). Da muss ich hin. Oder? Keine Ahnung. Jedenfalls erinnere ich mich, dass mein Ex-Kollege Herr M., ein recht…
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Vielleicht-Taschen
Bei der Lektüre von Frederick Forsythes Thriller „Des Teufels Alternative“ (1979) stoße ich auf folgende Passage: Beide Männer trugen Aktentaschen, wie sie alle sowjetischen Männer zu tragen scheinen. Diese Taschen enthalten keineswegs Akten, sondern sind das männliche Gegenstück zu den „Vielleicht-Taschen“, den Einkaufsnetzen der sowjetischen Frauen. Diese Taschen verdanken ihren Namen der von jedem Sowjetbürger…