Bei der Lektüre von Frederick Forsythes Thriller „Des Teufels Alternative“ (1979) stieß ich heute auf folgende Passage:
Beide Männer trugen Aktentaschen, wie sie alle sowjetischen Männer zu tragen scheinen. Diese Taschen enthalten keineswegs Akten, sondern sind das männliche Gegenstück zu den „Vielleicht-Taschen“, den Einkaufsnetzen der sowjetischen Frauen. Diese Taschen verdanken ihren Namen der von jedem Sowjetbürger gehegten Hoffnung, auf einen Gebrauchsartikel zu stoßen, vor dem sich noch keine Schlange gebildet hat oder der noch nicht am Ausgehen ist.
Weitere Recherchen führten mich auf die Seite von „Russia Beyond“. Dort erfuhr ich den russischen Namen der „Vielleicht-Tasche“: Awoska (авоська). Was man wohl nicht so einfach mit „vielleicht“ übersetzen kann. Eher mit „auf gut Glück“ oder „mit etwas Glück“. Ein weiterer Fall von Lost in Translation, wie es scheint.
In der DDR, wo ähnliche Einkaufsnetze ebenfalls kursierten, war die sowjetische Bezeichnung meines Wissens unbekannt. Was nicht weiter erstaunlich ist, denn den Mangel, auf den die Netze zurückgingen, gab es offiziell ja gar nicht.
Wie gravierend er in der Sowjetunion tatsächlich war und welche absurden Folgen er hatte, verdeutlicht ein Auszug aus Hedrick Smiths Bestseller „Die Russen“ aus dem Jahr 1976, dessen Lektüre ich ebenfalls sehr empfehle.
Vieles darin wird auch dem Ex-DDR-Bürger bekannt vorkommen, obwohl die UdSSR – das wird schnell deutlich – auch im Hinblick auf Mangel, Korruption und Schwarzhandel ihren Satelliten weit voraus war.
Hinterlasse einen Kommentar