Mein Freund Peter Miese hat das zweifelhafte Glück, neben seiner Arbeit im Weinberg der Weltliteratur einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen, die ihm seinen Lebensunterhalt sichert, ansonsten jedoch wenig Anlass zur Freude gibt. Ich vermute, dass er deshalb auch den Begriff „Brotjob“ für eine maßlose Beschönigung hält: Brot ist schließlich etwas, das man mitunter ganz gern isst.
Peter arbeitet in einem Büro. Was er dort genau tut, weiß ich nicht, und ich habe mich bislang gehütet, ihn danach zu fragen, denn Peters Antworten neigen dazu, aus dem Einfachen und Banalen sehr schnell ins Grundsätzliche abzudriften.
Wie dem auch sei: Einmal im Jahr versucht Peters Arbeitgeber, etwaigen atmosphärischen Defiziten mit einem Betriebsvergnügen entgegenzuwirken. Gestern war es wieder so weit. Offenbar noch ganz unter dem Eindruck desselben verfasste Peter danach einen Impulsbrief, der mir heute per Rohrpost zugestellt wurde:
Lieber Peter,
gestern schwärmte meine Büro-Crew mit etlichen anderen selbigen zu einem Betriebsvergnügen in die leidlich große, leider jedoch ganz und gar nicht so weite Welt jenseits der Betriebsstätte aus. „Adventure Golf“ im „Beach Mitte“.
Flankiert von sonnengebräunten Lohnskav:innen, die ihre Urlaubsfitness mittels Beach Volleyball aufrechtzuerhalten suchten, gebärdete man sich auf Kunstrasen scheinbar ungezwungen, lachte und lochte ein oder eben auch nicht, plauderte, posierte und hatte zum Abschluss einen Bär:innenhunger.
Der wurde dann ebenso wie der Durst mittels innerhalb des Freizeitsportobjektes angebotener Speisen und Getränke (irgendwas mit Pommes und Bier) gestillt. Es gab Gespräche (lauwarm wie das Oberflächenwasser eines Sees zum Sommerende), mindlessly smoked cigarettes und ein beschäftigungsbezogenes Quiz. Dazu Abendlicht von der zunehmend milderen Sorte (come to where the flavor is), relativ orientierungslose Insekten, denen das erste Flackern ihres Lebenslichts schon im Chitinpanzer saß, und ganz nebenbei die Feststellung, dass Augen und ihre Farben etwas sehr Faschzinierendes sind.
Über allem lag – es kann nicht verschwiegen werden – ein fahler Schleier jenes Überdrusses, der mich in letzter Zeit wie ein Bluthund verfolgt, subversiv, bohrend, nagend an der Substanz, von der es mich wundert, dass sie überhaupt noch vorhanden ist, ebenso wie es mich wundert, dass ein Mensch ohne Lebensenergie leben kann. Das hat die Natür sicherlich nicht vorgesehen, und dennoch ist es da, dieses freudlose, wesenlose Wesen, das so vor sich hin tuckert, wie der laufende Motor eines am Waldrand abgestellten Kraftfahrzeugs, dessen Fahrer zum Pinkeln in den Bäumen verschwand und daselbst vom Poltergeist (Part 3) geholt wurde.
Und so neigt sich ein weiterer Tag wem oder was auch immer zu, ein Tag, der es vielleicht verdient hätte, gelebt zu werden, stattdessen jedoch nur kurz aufblitzte, wie ein Irrlicht in der Dämmerung, bei dem man danach alles andere als sicher ist, ob man es sich vielleicht nicht doch nur eingebildet hat.
Ich hoffe es geht dir besser als mir.
Dein Peter
Ich las Peters Brief beim Frühstück. Natürlich fiel mir Voltaire ein. Dann ging ich hinaus und goss zunächst die Mimosen.
Etwas später fand ich auf dem Social Media Account einer Miese-Kollegin einen Post mit etlichen Fotos gut gelaunter Menschen und folgender Caption:
Was für ein schöner Abend gestern! ☀️🏖️ Nach einem langen Arbeitstag ging’s mit dem Team zum Adventure Golf ins Beach Mitte. Endlich mal raus aus dem Büro und rein in die Sonne! Wir haben gelacht, gespielt, uns gegenseitig beim Golfen angefeuert (und teilweise ziemlich gnadenlos ausgelacht 😄), Beachvolleyball geschaut und natürlich auch selbst ein bisschen Ehrgeiz entwickelt.
Danach gab’s Pommes, Bier und jede Menge gute Gespräche. So mag ich Teamevents: kein großes Programm, kein Zwang, einfach zusammen eine gute Zeit haben. Und als wäre das noch nicht genug, gab’s zum Abschluss ein Quiz, bei dem wir natürlich festgestellt haben, wie viel wir voneinander wissen und wie wenig wir eigentlich über die Firma wissen. 😂
Das schönste am Abend war aber ehrlich gesagt das Licht. Spätsommer, warme Luft, Sonnenuntergang und überall Leute, die einfach gute Laune hatten. ❤️
Manchmal braucht es gar nicht viel für einen richtig guten Abend. Ein bisschen Sonne, nette Menschen, etwas zu essen und zu trinken und die Welt ist schon ziemlich okay.
#BeachMitte #AdventureGolf #TeamEvent #AfterWork #Sommerabend #GoodVibes #TeamSpirit #Berlin
Dem bleibt wenig hinzuzufügen …
Foto von Kayla Farmer auf Unsplash

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