Ich befinde mich auf Schleichfahrt. Über mir der zerwühlte Atlantik des Lebens, unter mir das bodenlose Dunkel der Zeitlosigkeit. Ich bin auf Seerohrtiefe, schaue in einen kreisrunden Ausschnitt, ein ständig variierendes Kaleidoskopbild aus spritzender Gischt, hektisch ineinander fließenden schwarzen Wogen und verquirlten grauen Wolken.
Ich kann die Augen kaum offenhalten, die Lider senken sich immer tiefer herab, der Blick ist trüb, die Gedanken werden träger und träger, als hätte man mir ein starkes Schlafmittel verabreicht oder – schlimmer noch – als nähme der Sauerstoffgehalt der verbrauchten Atemluft im Boot stetig ab.
Und doch kann ich mich nicht dazu entschließen, den Befehl zum Auftauchen zu geben. Zum einen weil ich nicht weiß, ob da noch jemand ist, der ihn befolgen könnte. Vielleicht bin ich längst allein und das Gefährt befindet sich seit geraumer Zeit im Automodus? Zum anderen weil dort oben womöglich Gefahren lauern, die schlimmer sind, als alles, was ich mir hier unten ausmalen kann.
Vor allem aber fürchte ich den Lärm dort oben. Das Schreien der Möwen, das Tosen der Wellen, das Heulen des Windes, das Plattern des Regens auf den schwankenden Planken des Bootes.
Und so bleibe ich gefangen in einer Bewegung, die keine ist, auf einem Weg, den niemand kennt, in einer Welt, in der nichts von Bedeutung zu sein scheint. Und begnüge mich mit einem trügerischen Ausschnitt aus sicherer Tiefe.

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