Tusculum

Ein Sommernachmittag. Die Sonne heizt, der Wind streicht forsch durch die Baumwipfel. Ein Junge fährt seit Stunden auf einem kleinen Elektromobil durch die Gartenanlage. Die Chilis und Tomaten stehen gut da, auch Kürbisse hat es schon. Aber bis zur Erntezeit ist es noch ein paar Wochen hin. Die Hecke ist getrimmt, es floss Schweiß, aber nicht so viel wie erwartet. Die Nachbarn dösen.

Jetzt könnte man doch eigentlich, tja, was? Sich mit den grundlegenden Dingen des Lebens befassen? Als da wären? Die Steuererklärung vom letzten Jahr? Ein laues Sommergedicht? Arbeiten am großen Roman? Reaching out to friends and family? Plan C, D oder E aufsetzen? Über die allgemeine Weltlage sinnieren? Oder einfach nur dem Tag dabei zusehen, wie er vergeht, die Wärme genießen, das grelle Licht, die Ruhe, das Sein. Ist das nicht das Grundlegende? Dann fällt mir unwillkürlich Cicero ein.

Der zog sich während der Diktatur Cäsars auf sein Landgut Tusculum zurück. Er hätte gut den Rest seines Lebens in Frieden und Kontemplation dort verbringen können. Die berühmte cäsarische clementia schützte ihn und immerhin bestand die Republik, für die er sich so vehement eingesetzt hatte, auf dem Papier ja noch. Er hätte, wie gesagt, den Bienen zuhören und noch so manches Bedeutendes schreiben können.

Aber was tat Cicero, als der verhasste Diktator ermordet worden war? Er eilte zurück nach Rom, um wieder im großen Spiel mitzumischen, stellte sich auf die Seite der Cäsarmörder, und als sich das Triumvirat ankündigte, wetterte er gegen Marc Anton. Das kostete ihn bei den Proskriptionen den Kopf.

Warum blieb er nicht in Tusculum?

Vielleicht, weil er dann nicht mehr Cicero gewesen wäre.

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