Ich fürchte mich. Vor Ereignissen, die vielleicht niemals eintreten werden, vor Niederlagen, die noch gar nicht abzusehen sind, vor Schmerzen, die ich vielleicht nie zu ertragen haben werde, vor den Konsequenzen von Handlungen, zu denen ich mich womöglich nie aufraffen kann.
Ich lecke Wunden, die mir noch nicht beigebracht wurden, hadere mit dem Bewusstsein meines Selbst, das mir so gar nicht zu dem illusionären Bewusstsein jener unfassbaren, sich ständig verändernden Entität „Welt“ oder „Leben“ zu passen scheint.
Ist er ein Widerspruch in sich, dieser merkwürdige Begriff „Selbstbewusstsein“? Wer sich seiner selbst wirklich bewusst ist, muss sich im Widerspruch, ja in Opposition zu allen anderen sehen oder zu seiner ganz individuellen Wahrnehmung anderer. Sicherlich ist das bei einigen auch der Fall. Doch die Reaktion darauf variiert, je nach Charakter.
Die einen resignieren ob der Unvereinbarkeit, die anderen geben sich einen Ruck, spannen die Muskeln an und machen sich daran, jedem Gegner, der ihnen gegenübertritt, ihr Selbstbewusstsein aufzudrängen, was nur funktioniert, indem man das Selbstbewusstsein des anderen beschädigt, verkleinert, ad absurdum führt.
Es ist ein immerwährender, zermürbender, von lächerlich kleinen Gebietsverlusten oder -gewinnen gekennzeichneter Stellungskrieg, der am Ende keinen Sieger, sondern nur Verlierer kennt.
Es gibt nur einen Ausweg: ein Leben in Kontemplation. Das eigene Selbstbewusstsein verinnerlichen, keine Angriffe führen, um weder Niederlagen noch „Siege“ erleiden zu müssen, in der eigenen, strategisch unbedeutenden und deshalb vom Feind und dem eigenen Oberkommando vergessenen Stellung ausharren, in den Himmel schauen, dem Flug der Vögel folgen, dem Tropfen des Regenwassers von den Blättern der Bäume lauschen, die Gräben und Unterstände ordentlich halten, sicherlich auch auf gelegentliche, mehr oder weniger zufällige Vorstöße des Feindes gefasst sein.
Ansonsten: aushalten. Den Lauf der Dinge, das Verrinnen, Verströmen, Versickern der Lebensenergie, das langsame Verlöschen des Lichts beobachten und spüren, ohne durch die leiseste Regung des Selbst das innere Gleichgewicht, die vollkommene innere Sammlung, die Akzeptanz des in allem seienden Nichts zu stören.

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