Ein Tag

Deutschland sucht den Impfpass. Ich nicht. Weil er vor mir auf dem Tisch liegt. Da muss sicher das ein oder andere aufgefrischt werden. Verschieben wir das auf einen passenderen Tag. War der heutige unpassend? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Es war ein Tag. Nicht mehr und nicht weniger. Mit einem Stadtteich voller Seerosen, einem ausgestopften Flamingo hinter Schaufensterglas, gemächlich dahinschlurfenden, braungebrannten Sandler:innen, sommerlich flott beschürzten, auf ihre Handys fixierten Passantinnen, Gedanken und Eingebungen, die zerredet wurden, bevor sie an Tiefe gewinnen und den Zweifel nähren konnten, Flugphantasien alternativer Wirklichkeiten, die konsequenzlos, wie die Wattewölkchen am Schönwetterhimmel, vorüberzogen; mit Fragen, die aus Höflichkeit nicht gestellt wurden, Wiederholungen und Routinen, die wie kleine, düstere Vorahnungsschatten das Licht der Seele zum Flackern brachten, „Projekten“, deren Verwirklichung nichts an deiner Grundverfasstheit ändern wird, die du nicht kennst und wahrscheinlich auch nicht kennen willst, ritualisierten Antworten, Gesten und flüchtigen Verrichtungen, die dich an die Szene aus einem berühmten Film denken ließen: „Too bad that she won’t live. But then, who does?“

Hinterlasse einen Kommentar