Willi Zwo lässt grüßen

Heute traf mich ein Blast from the Past. Vor langer Zeit wohnte ich in einem netten Stadtteil der ruhmreichen Hansestadt Hamburg bzw. der etwas weniger ruhmreichen, ehemals preußischen, später eingemeindeten Stadt Altona. Der Imbiss meines Vertrauens wurde seinerzeit von einem redseligen Original namens „Floppy“ betrieben.

Der erzählte mir mal von der Sektsteuer. Die sei zu Kaisers Zeiten zur Finanzierung des wilhelminischen Flottenbaus eingeführt und danach nie mehr abgeschafft worden. So sei das eben mit den Steuern. Was der Staat einmal in den Klauen habe, lasse er nie wieder los.

Heute entnehme ich der Tagespresse, dass die „Schaumweinsteuer“ (so der korrekte terminus technicus) tatsächlich noch existiert. Mehr noch, der derzeitige Finanzminister trägt sich mit dem Gedanken, selbige von 1,02 EUro auf 1,22 Euro zu erhöhen. Die letzte Erhöhung liegt immerhin schon über vierzig Jahre zurück.

Die Schaumweinbranche ist empört, und auch die Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion bemängelt, dass man Haushaltslöcher nicht mit Sektkorken stopfen könne.

Vorschlag zur Güte: Kaiser Wilhelm II. hatte einen guten Grund, die Steuer 1902 einzuführen: den Aufbau einer Kriegsflotte, um dem Deutschen Reich einen Platz an der Sonne zu sichern. Vielleicht sollte man auch heute wieder das Kind beim Namen nennen und eine Zweckgebundenheit suggerieren? Saufen für die Wiederaufrüstung? Schlucken für die NATO-Ostflankenbefestigung? Trinken gegen Putin?

Das erinnert an die sympathische Kampagne „Saufen gegen rechts!“, die vor Jahrzehnten das Angenehme mit dem Nützlichen verband.

In diesem Sinne: Prosit!

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