Keine Sensation – aber interessant

Wie aus Prag berichtet wird, ist das bisher als verschollen geltende Originalmanuskript von Jaroslav Hašeks Roman „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ überraschend gefunden worden.

Dass es sich um eine literarische Sensation handelt, darf bezweifelt werden. Das wäre es, wenn es sich um die letzten Kapitel des bisher als Fragment geltenden Buches handelte – was scheinbar nicht der Fall ist.

Wie dem auch sei, in diesen Zeiten, in denen der von naiven Seelen im saturierten Westen totgesagte Militarismus wie ein Geist aus seiner Flasche entwichen ist und sich in Windeseile allüberallhin verbreitet, ist der Schwejk plötzlich wieder hochaktuell.

Nur wo ist der Hašek unserer Zeit?

Wo ist der Autor, der das Kind beim Namen nennt und dem ordenbehängten Popanz, der seine freche Fratze wieder in aller Öffentlichkeit präsentieren darf, der von Geld gemästet wird, das es entweder gar nicht gibt oder das man sich bei denen zurückholen wird, die sich nicht wehren können („Sozialstaatsreform“), wo ist also der Autor, der diesem aufgeblasenen Wichtigtuer die Hosen herunterzieht und ihn der Lächerlichkeit preisgibt? Oder, verzeihen Sie, die Autorin?

Vielleicht gibt es ihn oder sie längst. Für sachdienliche Hinweise jeder Art bin ich jederzeit offen und dankbar.

Bis dahin lese ich vielleicht nochmal den Schwejk oder schaue mir den phantastischen Fritz Muliar in der ORF/ZDF-Serie an. Das ja.

*Das Bild zeigt übrigens Jaroslav Hašek in seinen letzten Lebensjahren. Er starb mit gerade mal 39 an Tuberkulose und am Suff. Ob er im Falle der Abstinenz das Buch vollendet hätte? Möglich. Aber vielleicht hätte er es ohne Alkohol auch nie begonnen.

Hinterlasse einen Kommentar