Ich lese Antonio Tabucchis Roman „Erklärt Pereira“.
Es ist die Geschichte eines kleinen, ältlichen, übergewichtigen Feuilletonisten im Portugal der 1930er Jahre, der sich aufgrund der Bekanntschaft mit zwei idealistischen Jugendlichen dazu durchringt, konkret etwas gegen die Salazar-Diktatur zu unternehmen.
Pereira, das bin natürlich ich, das sind alle Intellektuellen, die sich aus Bequemlichkeit, Weltfremdheit, Furcht oder der Freude am „Hineindenken in andere Positionen“, also am intellektuellen Spiel, zu keiner eindeutigen Haltung durchringen können oder wollen.
Vielleicht steht am Ende die Erkenntnis, dass einen „Mut“ gibt, der sich nicht aus Ignoranz, Geltungsdrang und Phantasielosigkeit speist, sondern aus der elementaren Einsicht in das, was falsch und richtig, böse und gut, falsch und wahr ist.
Und doch ist da immer wieder der Zweifel, das Unbehagen, dass man sich nämlich in die Bresche wirft, Risiken eingeht, „mutig“ ist, nur damit am Ende die Ignoranten, Geltungsbedürftigen und Phantasielosen das Ruder in der Hand behalten können.
Und dass sie sich insgeheim totlachen, über die „anständigen“ Intellektuellen.

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