Klamme Kälte, Grauwolkensuppe und Regen, der manchmal in Schneeregen oder noch Schlimmeres übergeht. Im Wetterbericht benutzen sie das herrlich onomatopäische Wort „Graupel“.
Genau das richtige Wetter für französische Krimis aus den Sechzigern und Siebzigern.
Die nassen Straßen von Paris im Dämmerlicht eines nie ganz anbrechenden Tages. Die blassen Gesichter gleichermaßen gehetzter und skrupelloser Räuber und Gendarmen in Anzügen und Trenchcoats. Der Mief finsterer Absteigen. Die rauchgeschwängerte Luft zwielichtiger Bars, Bistros und Hinterzimmer.
Dazu die markanten Silhouetten von Autos, die so unverkennbar französisch waren wie ihre Fahrer und Insassen: Delon, Belmondo, Ventura (eigentlich Italiener) und all die anderen kleineren Genre-Mimen, deren Gesichter man sofort erkennt, deren Namen man sich jedoch nie merken kann.
Und last but not least: grüne Wände. Fast immer und überall tauchen sie auf, in den Filmen von Melville, Deray, Sautet oder Verneuil. Warum strichen die Franzosen ihre Hausflure, Treppenhäuser und Büros so gern in diesem ganz speziellen Farbton, der irgendwo zwischen grün, türkis und hellblau oszilliert?
Ein großer Film des Genres ist Jacques Derays „Flic Story“ (1975) nach der gleichnamigen Autobiographie des von Alain Delon verkörperten Polizisten Roger Borniche. Der jagte in den späten 1940ern und 1950ern den schießwütigen Gangster Emile Buisson, der am Ende auch von ihm gestellt wurde.

In „Flic Story“ ist Delon zur Abwechslung mal nicht der eiskalte Engel, sondern ein eigentlich ganz sympathischer, wenn auch ergebnisorientierter und bis zu einem gewissen Grad auch skrupelloser Polizist.
Die interessantere Figur (wie die meisten Bösewichter) ist Buisson, dem Jean-Louis Trintignant, wenn auch nur in Andeutungen, eine bemerkenswerte charakterliche Tiefe verleiht. Die Gegensätze in seinem Verhalten sind zum Teil frappierend: wortkarg, lauernd und beobachtend auf der einen, dann wieder leutselig, sentimental und nachdenklich auf der anderen Seite.
„On the job“ ist er jedoch immer impulsiv, brutal und vollkommen unverhältnismäßig in der Anwendung von Gewalt. Ein Killer, der das Töten genießt. Oder nicht? Vielleicht sind Buissons Gewaltorgien auch nur der Ausdruck einer grenzenlosen Verbitterung darüber, wie sich die Dinge für ihn entwickelt haben, dass es nun keinen Ausweg mehr gibt und er seinem unaufhaltsamen Untergang entgegensteuert.
Man spürt, dass in dieser Bestie, diesem Scheusal noch zwei oder drei andere Menschen stecken, zu denen er hätte werden können, besonders am Ende, als er nach seiner Verhaftung bei den Verhören mit Borniche eine beinahe erleichterte Schicksalsergebenheit an den Tag legt.
Wie gesagt, ein großartiger Film, der hervorragend zum Wetter passt.

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