Escrevo sempre e em todo o lado

Noch ein kleiner Beitrag zu Fernando Pessoa:

Der schrieb wohl keineswegs konzentriert im stillen Kämmerlein, sondern buchstäblich immer und überall. Seine Texte finden sich auf Servietten, Briefumschlägen, Packpapier, in Notiz- und Tagebüchern und auf dem Briefpapier der Firmen für die er als Fremdsprachenkorrespondent arbeitete. Das Gesamtwerk umfasst runde 30.000 Manuskriptseiten. Wenig erstaunlich, dass die literarische Aufarbeitung des Nachlasses (das meiste davon in einer berühmten großen Holztruhe, die man nach Pessoas plötzlichen Tod mit 47 Jahren in seiner Wohnung fand) noch längst nicht abgeschlossen ist.

Ich empfinde es als befreiend, ja geradezu beflügelnd, dass Pessoa nicht nur zig Autoren, die er Heteronyme nannte, erfand, unter ihren Namen schrieb und sie mit eigenen Biografien versah, sondern sich auch einer wie auch immer gearteten Schreibroutine, ja selbst einem präferierten Schreibinstrument und -medium konsequent verweigerte.

Es versöhnt mich mit dem schwer zu überschauenden Inhalts- und Mediensalat, als der sich mein eigenes Schreiben darstellt, das natürlich nicht annähernd die Qualität und Tiefe Pessoas erreicht, manchmal sogar erschreckend banal daherkommt, so banal, dass ich in düsteren (oder lichten?) Momenten sogar mit dem Gedanken spiele, alles über den Jordan zu schicken, um die teuren Hinterbliebenen nicht in die Verlegenheit zu bringen, das alles einmal durchzugehen und aufzuarbeiten, oder – noch schlimmer – es eben nicht zu tun.

Vorläufig lebe ich weiter mit diesem Konvolut aus handschriftlichen und in alten Word-Dateien schlummernden Fragmenten von Romanen und Stories, beendeten aber im Nachhinein für schlecht befundenen Erzählungen, aufgrund meiner damaligen Jugend entschuldbar furchtbaren, in Notizbücher gesklierten Gedichten und Reiseberichten, ganz und gar nicht entschuldbaren späteren Lyrik-Ergüssen, ausführlichen oder eher stichpunktartig und selten durchgehend in Word-Dateien, Journal-Apps, Notizblöcken, Kladden und Zetteln geführten Tagebüchern und natürlich Blog-Beiträgen wie diesem hier, der nur deshalb an die Öffentlichkeit gelangt, weil dieser Blog, wie alle vorangegangenen auch, sich vor allem durch eine zahlenmäßig zu vernachlässigende Leserschaft auszeichnet. Amen.

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