Der kleine, große Passivist der Weltliteratur

Am Dienstagabend lernte ich eine Dame kennen, deren Website sie als „Aktivistin und Autorin“ ausweist. Ich werde ihren Namen nicht verraten. Es gibt viele wie sie, Menschen die mit einer meist nicht sonderlich komplexen „Botschaft“ die Welt verändern und Bücher verkaufen wollen.

Der Antipode dieser Autorinnen und Autoren ist Fernando Pessoa, der kleine, schmächtige Portugiese, der zu Lebzeiten nichts veröffentlichte, aber bei seinem frühen Tod eine große Holztruhe mit großer Literatur zurückließ.

Pessoa ist der kleine, große Passivist der Weltliteratur, einer, der jeden Traum von literarischer oder sonstiger Größe ad absurdum führt. Sein „Buch der Unruhe“ ist die Bibel all jener, die nach einem Buch suchen, das an die Stelle der Eitelkeit und des atemlosen, bei näherer Betrachtung meist wenig berechtigten Geltungsdrangs, von dem unsere (und jede) Zeit durchdrungen ist, eine Poesie und Metaphysik der Einsamkeit, des Verzichts und der Kontemplation setzt, und dem, was wir gern als „Scheitern“ bezeichnen, eine stille und zeitlose Würde gibt.


„Ich trage das Bewußtsein der Niederlage mit mir wie ein Siegesbanner.“


„Edel ist es, schüchtern zu sein, ruhmreich, nicht handeln zu können, majestätisch, kein Geschick zum Leben zu haben.“


„Nur das Unglück erhöht, und nur der Überdruß, der aus ihm entsteht, ist heraldisch wie die Nachkommen ferner Helden.“


„Wohl denen, die ihr Leben niemandem anvertrauen.“

Es sind Sätze wie diese, die mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen, nachdem ich große Reden geschwungen, mich in blindem Aktionismus verloren oder mich der Illusion hingegeben habe, in diesem Leben oder danach jemand „sein“, Eindruck schinden oder Spuren hinterlassen zu können.

Die vermeintliche Niederlage als den eigentlichen Sieg begreifbar machen und gleichzeitig immer wieder den Beweis antreten, dass es einen Sieg nicht gibt und niemals geben wird und kann: Das ist die Aufgabe und das Verdienst großer Literatur.

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