„Tag der deutschen Einheit“: ein sperriger Name. Nicht ganz so sperrig wie „Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse“, wie man zum Beispiel den Maifeiertag in der DDR nannte, aber mittlerweile ebenso blutleer und staatstragend. Festakte, Reden, Politprominenz, offizielle Statements und ein dreitägiges Bürgerfest, diesmal in Schwerin. Laut Eigenwerbung soll es „bunt, vielfältig und unterhaltsam, informativ, diskursiv und nachhaltig, nah an den Menschen und inklusiv“ sein. Bisschen viel auf einmal möglicherweise.
Bei der Eröffnung waren laut Medienberichten immerhin „mehrere hundert Menschen“ auf dem Schweriner Marktplatz versammelt. Ein Blick in die „Menge“ zeigt: Begeisterung sieht anders aus. Man schaut hier, guckt da, lässt sich berieseln. Das Motto „Vereint Segel setzen“ deutet darauf hin, dass das Land Mecklenburg-Vorpommern das Event vor allem zum Standortmarketing nutzt. Immerhin: Am Abend steigt die Besucherzahl auf 10.000, aber nicht wegen des Nationalfeiertages, sondern weil Schlagerveteran Roland Kaiser ein kostenloses Konzert gibt.
Bei der Beitrittsfeier vor 34 Jahren am Reichstag war, wenn ich mich recht erinnere, auch ohne Roland Kaiser etwas mehr los. Viele ließen sich ganz ohne staatliche Ermunterung oder Aufforderung zu emotionalen Ausbrüchen hinreißen, vergaßen sich, jubelten, trubelten, gaben sich der Euphorie hin. In Deutschland ist so etwas, zumindest im politischen Kontext, sehr selten. Und wenn es dann mal passiert, geht es oft nicht gut aus. Man denke nur an den Reichsparteitag in Nürnberg. Oder die Reichskriegsflaggen, die schon bei der Ur-Einheitsfete vereinzelt im Publikum zu sehen waren.
Insofern ist das von oben verordnete, sterile und weitgehend emotionsfreie „Feiern“ vielleicht doch gar nicht so schlecht.
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