Was kostet eine Patriot?

Der iranische Raketenangriff auf Israel versetzte gestern die Fernsehwelt in Aufregung. Die ARD brachte gleich eine Sondersendung zum Thema, verhandelte das Ganze nochmal in der Tagesschau und legte mit einem Brennpunkt nach. Auf CNN und Al Jazeera gab es sowieso die übliche Dauerbefeuerung.

Aber was haben wir gestern eigentlich gesehen oder gelernt? Eigentlich nicht viel. Es wurden immer wieder dieselben Bilder des Abendhimmels über Tel Aviv gezeigt. Kleine weiße Punkte (iranische Raketen) flogen ein, große weiße Punkte (israelische Abwehrraketen) stiegen auf, um sie abzufangen. Ein weiteres Bild zeigte ein paar israelische Soldaten an einer Mauer. Zwischendurch Bilder einer Straßenbahnhaltestelle in Jaffa, an der zwei Mörder mit Maschinenpistolen auf Wartende schossen. Die Opfer waren durch Blurs unkenntlich gemacht.

Das war’s, viel mehr gab es nicht zu sehen. Aber diese Bilder liefen in Endlosschleife. Darüber hinaus kamen Korrespondenten zu Wort. Einige standen an der libanesischen Grenze und wussten auch nicht so recht, was vorgeht, andere saßen in Luftschutzbunkern und wussten noch weniger.

Und dann natürlich die üblichen „Experten“: Analysten, Militärfreaks, Politologen usw. Die entscheidenden Fragen konnte niemand beantworten: Wie viele Raketen kamen, wie viele wurden abgefangen, wie viele Opfer gab es, wie wird Israel bzw. die Schutzmacht USA reagieren, wird es einen Krieg mit dem Iran geben?

Die „Berichterstattung“ war also nichts weiter als Kriegsvoyeurismus, und als solcher nicht einmal besonders unterhaltsam. Zwei Eindrücke blieben bei mir zurück:

Erstens dass die Leuchtspuren der Raketen an ein Feuerwerk erinnerten, wenn auch kein besonders schönes. Das bestärkte mich in meiner Abneigung gegen jegliche Knallerei zu Silvester oder sonstigen Anlässen.

Zweitens fragte ich mich, was eine Abfangrakete des israelischen Luftverteidigungssystems eigentlich kostet. Ich erfuhr, dass es auf dem US-Patriot-System basiert. Eine kurze Recherche ergab, dass der Preis einer Rakete zwischen 4 und 8 Millionen US-Dollar liegt. Bei hundert Raketen bedeutet das, dass gestern zwischen 400 und 800 Millionen US-Dollar buchstäblich verpulvert wurden. Eine stattliche Zahl. Was zu der Frage führt, wie lange Israel einen Krieg rein finanziell durchhalten würde.

Kleiner Nachtrag vom 2. Dezember: Wie es scheint, war ich mit meiner Schätzung viel zu vorsichtig. Zitat NZZ:

„Es wird … geschätzt, dass die Kosten zur Abwehr des ersten grossen Angriffs von Iran auf Israel am 13. April rund 1 Milliarde Dollar betrugen, während die Kosten für den Angreifer Iran «nur» bei 80 bis 100 Millionen Dollar lagen.“

Und wie steht es mit den Kosten für den zweiten Angriff?

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